Human Potential Management: Potenzialentfaltung als sinnstiftender Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Im Gespräch mit Martin Cordsmeier: Er ist Experte im Erkennen von Potenzialen, Gründer von millionways und glaubt daran, dass Menschen mit ihren einzigartigen Talenten die Welt positiv verändern und dabei ihr persönliches Glück finden können. Die Organisation millionways befragt Menschen nach ihren Potenzialen, Leidenschaften und Träumen, vernetzt sie mit gleichgesinnten Menschen, ermutigt sie neue Ideen zu entwickeln, Projekte anzustoßen und Unternehmen zu gründen, und unterstützt sie dabei auch noch professionell und kompetent. Ein innovatives, nachhaltiges und weltweit einzigartiges Konzept in einer Zeit, in der Selbstentfaltung, Sinnstiftung und Talente leben das globale Thema der Menschheit ist.

 

21/11/2018 14:55 CET | Aktualisiert 22/11/2018 16:03 CET

 

Foto und Copyright: Martin Cordsmeier

 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Echte Nachhaltigkeit wäre für mich, wenn man etwas schafft, das eine dauerhafte Veränderung im realen Alltag der Menschen bringt. Die Menschen haben sich – gerade in der westlichen Welt – eine Gesellschaft gebaut, die ihren eigentlichen Bedürfnissen gar nicht entspricht. Das ist ziemlich verrückt! Warum unterwerfen wir uns freiwillig Regeln, die wir uns selber ausgedacht haben? Vor vielen Jahrzehnten mag das notwendig gewesen sein, aber mittlerweile schon lange nicht mehr – dennoch richten wir uns alle nach diesen scheinbar unverrückbaren Vorgaben, dass z.B. eine scheinbare „Sicherheit“ durch einen festen Job wichtiger ist als ein Alltag, der uns und unseren Facetten entspricht.

 

Weshalb ist das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen und die Gesellschaft von so entscheidender Bedeutung?

In erster Linie ist „Nachhaltigkeit“ ja nur ein Wort, das meist aus Marketinggründen benutzt wird. Es ist ein Zeitgeist-Thema, weil es Millionen Menschen auf der ganzen Welt bewegt und dazu führt, dass die Leute immer mehr ein „WARUM“ kaufen als ein „WAS“. In allen Branchen, von Banken bis zum Supermarkt, hatte das bereits große Auswirkungen und niemand, selbst das arroganteste Unternehmen, kann sich dem verschließen.

Aus meiner Sicht hat natürlich die offenere und vielseitigere Berichterstattung durch das Internet viel dazu beigetragen und selbst die simplen „Shitstorms“ haben oftmals etwas in Richtung Nachhaltigkeit bewegt.

Eine echte Nachhaltigkeit erfordert meiner Ansicht nach aber eine neue positive Utopie. Ein klares Bild davon, wie wir in Zukunft leben wollen. Bislang ist das meist ziemlich konfus und abstrakt für die Menschen, vor allem wenn man von „neuen Form der Arbeit“ hört – das klingt immer toll, aber wie genau soll das aussehen? Genau solch eine Utopie wollen wir mit millionways realisieren.

 

Wie könnte eine bessere, nachhaltigere Lebens- bzw. Arbeitswelt aussehen?

In ökologischer Hinsicht ist (zum Glück) in den letzten Jahrzehnten ein wirklich gesteigertes Problembewusstsein entstanden, das ja auch zu immer mehr Bemühungen führt, die Erde nicht länger zu zerstören. Dennoch wurde aus meiner Sicht der Mensch selbst dabei vergessen. Wie jedes Lebewesen sind wir eigentlich von unseren Emotionen, Bedürfnissen und Leidenschaften getrieben. Jedes Tier richtet sich auch danach (sofern die Umwelt es zulässt), nur wir nicht.

Unser Bild einer künftigen Welt ist eine Gesellschaft, in der es vollkommen normal ist, das eigene Leben in erster Linie an den eigenen individuellen Talenten, Zielen und Emotionen auszurichten und erst im zweiten Schritt an scheinbaren und realen „Sachzwängen“ (die es natürlich immer noch geben wird). Das heißt nicht, dass jeder nur noch den ganzen Tag glorreiche Dinge tut; es heißt vielmehr dass sich die Menschen ihrer Facetten bewusst sind und sie so gut wie möglich in ihr Leben und in ihren Alltag integrieren. Ein Beispiel: Ein Rechtsanwalt kann weiterhin Rechtsanwalt sein, aber gleichzeitig vielleicht ein Laiendarsteller, der gemeinsam mit anderen endlich seine Begeisterung für Improvisation auf der Bühne ausleben kann. Oder ein schüchterner, empathischer Mensch, dem gar nicht bewusst ist, dass genau diese stille Empathie im richtigen Kontext unglaublich wertvoll für andere sein kann: Er / sie könnte weiterhin dem normalen Job nachgehen, aber zusätzlich vielleicht Menschen beraten, die genau nach dieser stillen Empathie immer gesucht haben.

 

Warum gehören die Konzepte Nachhaltigkeit und Potentialismus bzw. Potenzialentfaltung zusammen?

Wenn es normal geworden ist, sich selbst zu entfalten, würde meiner Meinung nach eine ganz neue Form der Achtsamkeit entstehen. Ich glaube fest daran, dass die Menschen das Konzept der Achtsamkeit an sich verloren haben, weil sie im Alltag kaum achtsam für sich selbst sind bzw. sein können. Wenn sie merken, dass man real im Leben etwas für sich verändern kann, dann wird ihnen im Laufe der Zeit genau dieses Konzept der Achtsamkeit (und damit Nachhaltigkeit) bewusster. Ich glaube absolut, dass ein zufriedener Mensch, der weiß dass das Leben wertvoll und erfüllend ist, auch seine Mitmenschen und seine Umwelt besser und eben achtsamer behandelt.

 

Weshalb brauchen wir in einer Wissens- und Inspirationsgesellschaft starke, kreative Talente statt starrer Regeln und dokumentierter Zwangsqualifikationen?

Es ist ja längst so, dass die Wirtschaft immer mehr auf diese früher „soft skill“ genannten Facetten schaut. Dennoch hat ein Mensch ohne Ausbildung aber mit großartigen Talenten (und sei es als plakatives Beispiel ein Autist) es weiterhin extrem schwer, auf normalem Weg einen gut bezahlten Job zu finden. Es hat sich oberflächlich viel geändert, aber hinter den Kulissen sind die Strukturen einfach unglaublich zäh und starr.

Wenn wir in Zukunft viel mehr auf die differenzierten Persönlichkeitsprofile schauen und Menschen gemäß ihrer Eigenschaften, Motive und Fähigkeiten einsetzen und in genau die passenden Jobs oder Projekte vermitteln – dann hat sich wirklich etwas geändert. Es schreien längst alle danach, ich sehe nur nirgends ein Konzept, dass das WIRKLICH realisiert. Deswegen haben wir vor einigen Jahren mit millionways eben selbst solch ein Konzept gestartet, das parallel und gemeinsam mit der bestehenden Struktur agiert und nichts Bestehendes bekämpft.

 

Warum haben viele Menschen vergessen, was sie wirklich wollen, und sind in mit ihrem Leben bzw. ihrer Arbeit unglücklich?

Hier haben wir das große Thema Konditionierung… in der Schule bzw. Ausbildung spielt das Thema Selbsterkenntnis und -entfaltung kaum eine Rolle. Und da auch die Eltern es meist nicht selber erlebt haben, können sie es auch nur schwer an ihre Kinder weitergeben. Wir arbeiten daher u.a. an einem Projekt, das die sogenannte „Primärprävention“ real umsetzt, indem werdende Eltern so zufrieden wie möglich gemacht werden sollen, vor allem in Gedanken. Und diese Zufriedenheit mit sich selbst und ihrem Leben dann von Anfang an an ihre Kinder weitergeben.

Ein weiterer Punkt: Meist kennen Menschen ihre Stärken gar nicht. Das, was wir besonders gut können, kommt uns selbst meistens total „normal“ vor. Ich höre dann immer wieder Sätze wie „ja ich habe schon ein gutes Auge für Details, aber das ist ja nichts Besonderes“ oder „klar wäre ich ein guter Entertainer, aber ich hab ja kaum Zeit und wo soll ich das überhaupt nutzen?“. Wenn man aber glücklich im Leben und Job sein möchte, muss man erst einmal zu sich selbst finden… In jedem Menschen stecken einzigartige wertvolle und zumeist ungenutzte Talente und Potentiale – denn jeder Mensch hat Eigenschaften. Und im richtigen Kontext und mit komplementären Menschen kann jede Eigenschaft wertvoll sein. Ich liebe die Vorstellung von Menschen, die einen Job machen einfach deshalb, weil sie eben sind wie sie sind. Dann ist es auch kein „Job“ mehr. Genau diese Trennung muss aufhören.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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